11. August 2017

Diesel-Gipfel: Softwareupdate und Umstiegsprämie sinnvoll?

Ergebnisse im Überblick und die Auswirkungen für Diesel-Fahrer in Deutschland

 

Zu starke Luftverschmutzung in deutschen Städten und der damit verbundene Ruf nach Fahrverboten für Diesel-Autos drängte die Regierung und deutsche Automobilhersteller dazu, eine schnelle Lösung gegen einen solchen gerichtlichen Beschluss zu finden. So kamen die genannten Parteien beim Diesel-Gipfel zusammen und beschlossen ein Paket, mit dem sie eine drastische Maßnahme wie das Fahrverbot (zunächst) verhindern konnten.

Welche Schritte werden nun eingeleitet, um die Schadstoffe zu mindern? Was bedeuten diese für den Besitzer eines Diesel-Fahrzeugs und für die Zukunft der Elektromobilität?

Der wohl meist kritisierte Beschluss des Gipfels ist ein Softwareupdate, mit dem BMW, Daimler, Opel und VW die Senkung des Stickoxid-Ausstoßes um bis zu 30% bis Ende 2018 versichern. Um das Update installieren zu lassen, müssen die Besitzer der betroffenen Autos nichts tun, außer etwa eine Stunde für den Besuch einer Werkstatt einzuplanen, heißt es in der Erklärung nach dem Treffen. Auch werde das Update keine Nachteile in Bezug auf Motorleistung, Verbrauch und Lebensdauer haben, garantieren die Hersteller und verpflichten sich, die dabei entstehenden Kosten zu tragen.
Die Nachrüstung betrifft insgesamt 5,3 Millionen Diesel-Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro-5 und Euro-6. Eine wichtige Randnotiz ist hier jedoch, dass in dieser Zahl 2,5 Millionen Fahrzeuge von der Marke VW enthalten sind, für die bereits eine Nachbesserung der Abgaswerte im Zusammenhang mit dem Abgasskandal verordnet wurde. Als Besitzer eines Fahrzeugs der oben genannten Klassen werden Sie eingeladen, ein solches Update durchführen zu lassen, wozu Sie jedoch nicht verpflichtet sind. Besitzer von Diesel-Fahrzeugen anderer Hersteller sollten zunächst abwarten, da ausländische Hersteller vermutlich ähnliche Maßnahmen in naher Zukunft ergreifen werden.

Das Softwareupdate ist die von den Konzernen bevorzugte Lösung des Schadstoffproblems. Die Forderung nach einer Hardware-Nachrüstung wurde von den Unternehmen mit deutlicher Sprache abgelehnt, da sie zu aufwendig und kostspielig sei. VW-Chef Matthias Müller geht noch weiter und formuliert sehr klar, dass die Ingenieure nicht an alten Motoren, sondern an zukünftigen Technologien arbeiten sollten und deswegen das Ergreifen einer solchen Maßnahme nicht sinnvoll wäre. Die Hardware-Nachrüstung ist allerdings weiterhin ein Punkt auf der Agenda von beispielsweise Umweltministerin Barbara Hendricks. Nach dem Gipfel müsse das Thema daher in Expertenrunden sorgfältig analysiert werden.

Diesel-Fahrzeuge der Euro-4-Abgasnorm oder schlechter hingegen sollen nicht mit dem Software-Update umgerüstet werden. Vielmehr soll die sogenannte „Umstiegsprämie“ einen Anreiz für den Kauf eines Neuwagens schaffen. Umstiegsprämien bieten u.a. Volkswagen, BMW und Toyota.
Bei Volkswagen handelt es sich um eine Staffelung der Prämie je nach Größe des neuen Fahrzeugs. Die Prämie nimmt bei einem Kleinstwagen den Wert von 2.000€ an und erhöht sich bei einem Kauf eines neuen VW Golfs auf 5.000€. Die Wahl eines Touaregs hingegen beschert den Käufern eine Umstiegsprämie von 10.000€.

Da ist die Frage, ob die Senkung der Stickstoffoxid-Werte im Vordergrund steht, berechtigt. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen, benennt dieses Ergebnis des Diesel-Gipfels eindeutig als Verkaufsprämie, welche das Ziel verfolgt, die Verkaufszahlen der Diesel-Autos nach dem Abgasskandal und den Verunsicherungen bei Verbrauchern zu steigern.
Lediglich eine zusätzliche Summe in Höhe von 2.380€, die Zukunftsprämie, die der Käufer eines Fahrzeugs mit Elektroantrieb erhält, lässt das Thema Elektromobilität durchblitzen.
Wie passen also Umstiegsprämie und E-Mobilität zusammen? Ist dies nun, wie VW sagt, eine Riesenchance für die Umstellung auf elektrisch betriebene Fahrzeuge? Der E-Golf beispielsweise soll mit der Umstiegs-, der Zukunfts- und der staatlichen Prämie gleichauf mit einem vergleichbaren Diesel-Modell liegen.

Ein weiterer Beschluss des Diesel-Gipfels ist der Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“, in den die Bundesregierung sowie die Konzerne 500 Millionen Euro reinstecken. Dieser dient zur Senkung der Schadstoffe in den 28 Regionen Deutschlands, die am stärksten belastet sind. Vor allem versprechen sich die Teilnehmer des Gipfels Erfolg durch die Umstellung des öffentlichen Nahverkehrs auf umweltfreundliche Lösungen. 250 Millionen Euro sollen allein für die Beschleunigung der Umrüstung von Taxi- und Busflotten genutzt werden. Staufreie Stadtverkehre sowie digitale Vernetzung sind ebenfalls Schlagwörter, die in diesem Zusammenhang gefallen sind. Die Regierung versucht Fahrverbote in Deutschlands Städten zu vermeiden und betont, dass der Diesel-Gipfel der Startschuss für einen langwierigen Prozess ist und dass weitere Schritte folgen müssen. Nur dann könne die Schadstoffbelastung nachhaltig gesenkt werden.

Der Diesel-Gipfel und seine Ergebnisse sorgen für Unzufriedenheit u.a. bei der Opposition und Umweltverbänden. Mit einem einfachen Softwareupdate könne man den Kampf gegen die Luftverschmutzung in den deutschen Städten nicht führen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme wäre höchst fraglich und entgegen des öffentlichen Interesses. Alles in allem gehen als Verlierer der Geschichte auf der einen Seite die Autofahrer hervor, denn sie müssen mit deutlichen Wertverlusten bei ihren Fahrzeugen rechnen. Und auf der anderen Seite ist die gesamte Bevölkerung auch weiterhin von der Überschreitung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte betroffen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass leider erneut versäumt wurde, in die Zukunft zu schauen. So hätte u.a. ein Ausstiegsszenario aus den Verbrennungsmotoren definiert werden müssen, welches der Industrie als eine langfristige Leitlinie gedient hätte.

 

 

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