12. Oktober 2017

Reale Kosten von Elektroautos

Das Potenzial von Elektroautos ist noch lange nicht ausgeschöpft. Warum sehen wir aktuell nicht viel mehr Elektroautos auf den Straßen Deutschlands, obwohl Verbrenner keine Zukunft haben? Liegt es an den Kosten für Elektroautos? Dieser Frage gehen wir heute im Rahmen unserer Beitragsreihe „Elektromobilität einfach erklärt“ nach.

Mit sehr gutem Beispiel in Sachen Elektromobilität geht Norwegen voran. Die neue Technologie trifft auf Akzeptanz bei der Bevölkerung, wird eifrig genutzt und stets weiterentwickelt.
In Deutschland wiederum stoßen wir immer wieder bei der Diskussion um Elektrofahrzeuge auf eine Unsicherheit, die den Erwerb von elektrisch betriebenen Fahrzeugen hemmt. Was sind nun die Gründe hierfür? Wir fassen die drei wesentlichen Faktoren für Sie zusammen:

1. Überschaubare Fahrzeugauswahl der Hersteller

Vor allem die deutschen Autobauer müssen einiges an Arbeit leisten, um ihre e-Produktportfolios zu erweitern und so den potentiellen Käufer abzuholen.

2. Verlässlichkeit im Alltag

Die Nutzung von Elektroautos im Alltag ist leider weiterhin mit viel Planung verbunden, da aktuell die reale Reichweite vieler E-Modelle für sehr weite Strecken nicht ausreichen und Ladesäulen nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. Außerdem sind die langen Ladezeiten unpraktisch. Auch an diesem Problem wird intensiv gearbeitet. Insgesamt sollen bundesweit 15.000 Ladesäulen in Kürze zur Verfügung stehen. Der Aufbau wird mit Summen in Millionenhöhe gefördert. Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag zu der realen Reichweite von Elektroautos.

3. Hohe Anschaffungskosten

Lassen Sie uns die hohen Anschaffungskosten in den Blick nehmen und erörtern, ob die Sorgen der Verbraucher im Hinblick auf die Kostenfrage berechtigt sind.

Sind die Kosten für Elektroautos signifikant höher?

Um diese Frage in angemessener Weise beantworten zu können, müssen die Gesamtkosten eines Elektrofahrzeugs betrachtet werden. Um eine realistische Einschätzung der Kosten vorzunehmen, sollten die Anschaffungskosten im Kontext einer Haltedauer von 4 Jahren und einer jährlichen Kilometerleistung von 15.000 km betrachtet werden.

Die Gesamtkosten für ein Elektroauto setzen sich zusammen aus:
Anschaffungskosten (Preis)
Anschaffungsnebenkosten (Ladeinfrastruktur)
Fixkosten (Steuern und Versicherung)
Energiekosten (Stromkosten bzw. Kraftstoffkosten)
Werkstattkosten (Wartungs- und Instandhaltungskosten)
Wertverlust

Sehen wir uns diese Bestandteile der Gesamtkosten im Detail an.

Anschaffungskosten

Im ersten Moment erscheint die Kostenbelastung, die auf den Käufer eines Elektroautos zukommt, deutlich höher zu sein. Der Grund dafür ist in der Tat der hohe Anschaffungspreis, der von den Verbrauchern als einer der wesentlichen Hemmnisse angegeben wird.

Gleichzeitig werden Elektroautos seit Juli 2016 mit einer Kaufprämie gefördert. Für ein reines Elektroauto gibt es eine staatliche Kaufprämie von 2.000€, sowie von Seiten der Automobilhersteller nochmal 2.000 – 3.000€ (je nach Hersteller). Dadurch reduziert sich der Kaufpreis um 4.000 – 5.000€. Die Kaufprämie gibt es auch bei einer Finanzierung oder Leasing.

Für die folgende Gesamtkostenberechnung nehmen wir einen VW Golf mit einem Anschaffungspreis von 22.000€ und einen Nissan Leaf für 32.000€. Der Anschaffungspreis des Nissan Leaf liegt inkl. der Kaufprämie bei 27.000€.

Anschaffungsnebenkosten

Neben den Anschaffungskosten sind auch die Anschaffungsnebenkosten zu beachten. Anders als bei Diesel und Benzinern muss bei Elektroautos das Ladezubehör, sprich Ladekabel, Wallbox oder Ladesäule gekauft und entsprechend installiert werden. Die Kosten für die Ladeinfrastruktur und deren Installation hängt stark von den Anforderungen und der Komplexität der Installation ab. Für eine simple Wallbox und deren Installation kann mit Kosten von ca. 1.200€ gerechnet werden.

Fixkosten

Wenn nun die Fixkosten in den Blick genommen werden, fällt auf, dass diese unter denen der Verbrenner liegen. Dank des Regierungsprogramms „Elektromobilität“ sparen Elektroautofahrer an der KFZ Steuer. Wenn Sie sich für ein reines Elektroauto entscheiden, zahlen Sie 10 Jahre keine KFZ Steuer. Somit setzt die Bundesregierung einen finanziellen Anreiz und ein Zeichen für Elektromobilität. Einige Versicherungsunternehmen bieten ebenfalls Rabatte für elektrisch betriebene Fahrzeuge an. In der Summe zahlt der Besitzer eines E-Autos also deutlich weniger für die Fixkosten.

Energiekosten

Auch bezüglich der Energiekosten, Strom- bzw. Kraftstoffkosten, gewinnt das elektrisch betriebene Fahrzeug. Pro Kilometer liegen die Energiekosten für ein Elektroauto deutlich unter denen eines konventionellen Autos. Für das konventionelle Auto muss man den Verbrauch in Litern pro Kilometer mit dem Literpreis für Benzin oder Diesel multiplizieren. Für das Elektroauto muss man den Verbrauch in Kilowattstunden pro Kilometer mit dem Preis für eine Kilowattstunde Strom multiplizieren.

Ein Golf mit 7 Litern Verbrauch auf 100 km hat bei einem Benzinpreis von 1,20 €/l zum Beispiel Energiekosten von 8,40 € pro 100 km.

Ein Nissan Leaf mit 15 kWh Verbrauch auf 100 km hat bei einem Strompreis von 0,25 €/kWh Energiekosten von 3,75 € pro 100 km.

Werkstattkosten

Ein Elektroauto hat eine weniger komplexe Technik als ein konventionelles Auto. Es hat außerdem deutlich weniger bewegliche Teile und es fällt zum Beispiel kein Ölwechsel an. Darüber hinaus werden die Bremsen durch Rekuperation weniger beansprucht. In Summe führt dies dazu, dass die Werkstattkosten für ein Elektroauto ungefähr halb so hoch liegen wie bei einem konventionellen Auto.

Wertverlust

Einen großen Einfluss auf die Gesamtkostenbetrachtung hat bei einem Fahrzeug der Wertverlust. Dieser bestimmt zu welchem Preis man das Fahrzeug nach seiner Haltedauer weiterverkaufen kann. Bei Elektroautos gibt es bisher wenig Erfahrungswerte, da es nicht wirklich einen Gebrauchtwagenmarkt gibt.

Auf der einen Seite entwickelt sich die Batterietechnik rasant weiter und die Kosten werden über die nächsten Jahre weiter fallen. Durch diesen Effekt sollte der Wertverlust eines Elektroautos größer sein als bei einem konventionellen Auto.

Auf der anderen Seite sind in einem Elektroauto deutlich weniger Teile und damit weniger Verschleiß. Das Elektroauto ist also nach der Haltedauer in einem besseren Gesamtzustand als ein konventionelles Auto.

Fassen wir nun zusammen:

Die Anschaffungskosten eines Elektroautos liegen immer noch deutlich über denen eines vergleichbaren Benziners. Durch die Kaufprämie wird dies allerdings etwas relativiert. In Summe muss allerdings sowieso eine Gesamtkostenbetrachtung durchgeführt werden und da können Elektroautos besser abschneiden als konventionelle Autos. Hier gilt es immer den genauen Anwendungsfall zu betrachten und dann zu entscheiden welches Fahrzeug Sinn macht. Gerne unterstützen wir Sie hier bei Ihrer Analyse und Entscheidung.
In folgender Tabelle haben wir Ihnen nochmal die Gesamtkosten aus unserem Beispiel aufgelistet. Hier ergibt sich ein kleiner Kostenvorteil für das Elektroauto.

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